© Christian Hostettler

Kompositionswerkstatt

in Zusammenarbeit mit dem Heinrich Schütz Musikfest 2022 zum BAROCK.MUSIK.FEST 

Komponieren ist eine trockene Angelegenheit. Ungefähr so trocken wie ein guter Grauburgunder. Also nur bedingt, wenn überhaupt. Wie ein komplexes klangliches Bouquet entsteht, das am Ende mit entsprechendem Genuss begeistert, zeigt die Kompositionswerkstatt von AuditivVokal Dresden vom 2. – 6. Mai 2022.

Das Ensemble steht bekanntlich für einen ausgesucht feinsinnigen Ansatz in der Verbindung Alter mit Neuer Musik und hat sich damit innerhalb weniger Jahre einen Namen gemacht. Genau in diese Richtung fällt der Blick auch in der Werkstatt.

Für das „Keltern“ holen sich AuditivVokal Dresden zwei Komponisten und eine Komponistin an die Seite: den Spanier Mª Sánchez-Verdú, der mit pneumatischer Notation arbeitet, Alberto Arroyo, der schon in früheren Projekten AuditivVokal Dresden zu Klangfarbe verholfen hat und als Stipendiatin die studierte Cellistin und Komponistin Séverine Ballon. Für das eigens für die Werkstatt ausgeschriebene Stipendiat wurde sie ausgewählt, weil ihr nach eigenen Worten besonders das Barockcello das Gefühl von Zuhause gibt. Besonders in den letzten zwei Jahren hat ihr auch das Komponieren inneren Halt gegeben. Dank des Stipendiums bekommt sie auch die Gelegenheit, unter anderen bei José María Sánchez Verdú, Prof. Charlotte Seither, Prof. Mark Andre, Prof. Stefan Prins im Kompositionsunterricht weiter ihre eigene Auslese zu verfeinern. Wer Interesse hat, kann ihr dabei sogar über die Schulter schauen.

Alle drei werden sich gemeinsam der „Musikalischen Exequien“ von Heinrich Schütz annehmen, die Vorlagen sorgfältig und mit Fingerspitzengefühl zerlegen und mit drei eigenen zeitgenössischen Kompositionen zu einem Mosaik verquicken, deren erste Ansätze während der Kompositionswerkstatt entstehen. Ein Verschnitt wird das Ergebnis gerade deshalb nicht sein. Denn dieser Prozess des artistic research nimmt interdisziplinär das Motto des diesjährigen Heinrich Schütz Musikfestes ins Auge. „Weil ich lebe“ zelebriert anlässlich des 350. Todestags des Dresdner Hofkapellmeisters in diesem Jahr dessen musikalischen Nachhall bis ins Heute.

Die drei neugestalteten Zugriffe werden in einem abendfüllenden Werk im Oktober in ihrer Uraufführung zu erleben sein. Fest steht bereits jetzt, dass in jedem Fall auch der jeweilige Ort der Aufführung unter künstlerischen Aspekten einbezogen werden wird.

Die Kompositionswerkstatt versteht sich also als kleiner Vorgeschmack auf den Oktober, der tatsächlich alle Sinne ansprechen will. Während die Aspekte Tod, Trauer und ewiges Leben das Zentrum der kompositorischen Auseinandersetzung bilden, sitzen auch Vertreter aus den Bereichen Philosophie und Psychologie mit am Tisch. Und zwar im Wortsinn. Teil des Werkstatt-Programms ist nämlich ein gemeinsames öffentliches Abendessen mit den Beteiligten. Mit dabei sind unter anderen die Komponistin Dr. Charlotte Seither, die Psychologin Prof. Dr. Maja Dshemuchadse und der Philosoph Dr. Friedrich Hausen.

Input nicht nur für Studierende des Fachs gibt es auch bei Vorträgen, Workshops, Round-Tables und bei der Möglichkeit von Probenbesuchen. Ein Film und ein geführter Stadtrundgang blicken direkt ins Leben von Heinrich Schütz; die Sichtweise von Experten wie beispielsweise dem Musikwissenschaftler Prof. Dr. Jörn Peter Hiekel lässt sich im entspannten Gespräch bei einem höfischen Picknick im Stil des 17. Jahrhunderts, also der Zeit von Heinrich Schütz, erkunden. Zum Abschluss der Werkstatt werden erste kompositorische Ergebnisse öffentlich präsentiert, deren Degustation in Textur und Abgang nicht nur Liebhaber komplexer Weine ergötzen dürften. Bis zur vollen Reife im Oktober ist dann nur noch Geduld entscheidend.

Hier ist der QR-Code zur ProgrammApp:

qr komponistenwerkstatt

Kompositionswerkstatt
© Christian Hostettler
06.05.2022, 16:30 Uhr
Hochschule für Musik Dresden
02. bis 06. Mai 2022

AuditivVokal Dresden

Proben- und Arbeitsatelier

AuditivVokal Dresden
Könneritzstraße 19
01067 Dresden