© Christian Hostettler

KI | Cartography of Voice Emotions

Die Sorge, dass vielleicht einst Maschinen den Menschen unnütz machen oder „beherrschen“ werden, ist alt und gewinnt insbesondere bei Jugendlichen angesichts der Fortschritte lernfähiger Computerprogramme neue Aktualität.

Der Informationsphilosoph Floridi spricht von einer 4. Revolution, wo es scheint, dass die Maschinen intelligenter sind, als wir. Vor dem Hintergrund der KI-Ausstellung folgten AuditivVokal der Idee, als Antwort auf diese Herausforderung solche Seiten von Intelligenz zu betonen, die wesentlich lebendig und menschlich sind. Auf dem Programm steht ein Werk von Alberto Arroyo, das sich dem emotionalen Leben als eigener Dimension von Intelligenz widmet und eines von Tobias Schick, das durch eine „künstliche“ Rahmenverschiebung intelligente Lernprozesse provoziert.

Oscar Wilde äußert 1891 in einem Brief: „Kunst ist nutzlos, weil ihr Ziel einfach darin besteht, eine Stimmung zu erzeugen. Sie ist nicht dazu gedacht, in irgendeiner Weise zu belehren oder zur Handlung zu verführen.“ Dieses Zitat könnte Motto sein für Alberto Arroyos „Mythos der Freude“, der sich anhand eines moral- und lehrefreien Prosatextes mit Stimmungen und Emotionen beschäftigt. Auf Basis einer Ensemblearbeit mit Maja Dschemuchadse zur Vielfalt persönlicher Affekttönungen und stimmlicher Ausdrucksmöglichkeiten und einer grotesken Göttererzählung und entstand ein Musikstück, worin eine Vielzahl von Stimmungen und Emotionen musikalische Gestalt erlangen und Hörer entsprechend „anstecken“ wollen. Arroyo greift auf barocke Ansätze zurück, nach der bestimmte Affekte durch definierbare musikalische Figurentypen hervorgerufen werden. Analog zur Rechenmaschine Pascals, die Denkprozesse auf eine Maschine überträgt, ist eine frühbarocke „Vermessung des Seelenlebens“ eine Kulturtechnik des „Outsourcings“ von Gefühlstriggern. Damit entsteht eine Dialektik zwischen Selbstwirksamkeit und Manipulierbarkeit des emotional intelligenten Lebens.

In der Uraufführung von Tobias Schicks Werk „Inkonsequenza für virtuelles Ensemble“ kann Musik etwas von der Wirklichkeit bewusst machen, indem sie hörbar macht, wie die Deutung der Wirklichkeit von kulturell, gesellschaftlich und biographischen vorgebildeten Deutungsmustern beeinflusst wird. Sie verweist damit auf einen erweiterten Begriff von „Intelligenz“, der über die Fähigkeit zur möglichst effizienten Problemlösung hinaus darauf zielt, sich in neuen Situationen zurechtfinden zu können und um die Ecke zu denken. „Inkonsequenza für virtuelles Ensemble“ wurde instrumentales Werk konzipiert, wird jedoch von einem Vokalensemble realisiert. Darin finden typisch instrumentale Gesten, Texturen und Klangsituationen Verwendung und werden auf die Stimmen übertragen. Dadurch werden die Konsequenzen der experimentellen Rahmenverschiebung für die menschliche Wahrnehmung anschaulich gemacht: Wie klingt ein virtuelles Instrumentalensemble anders als ein tatsächliches Instrumentalensemble? Wie klingt aber das virtuelle Instrumentalensemble auch anders, als man erwartet, dass es vielleicht klingt? 

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KI | Cartography of Voice Emotions
© Christian Hostettler
28.04.2022, 19:00 Uhr
Deutsches Hygiene-Museum Dresden
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Könneritzstraße 19
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